Weltenstrom 2025

Süddeutsche Zeitung, 3.1.: Google veröffentlichte noch im Dezember 2024 eine historische Meldung: der Computership Willow löste eine Rechenaufgabe mithilfe des Quantencomputings innerhalb von 5 Minuten, für die ein Supercomputer der Gegenwart zehn Quadrillionen Jahre gebraucht hätte, weil Willow dabei die Rechenleistung aus einem Paralleluniversum anzapfte.

Süddeutsche Zeitung, 4.1.: Für den amerikanischen Schriftsteller Eliot Weinberger, lt. Süddeutsche Zeitung „einer der schärfsten Beobachter der zunehmend verstörenden Realität“, hat der Niedergang der amerikanischen Politik mit George W. Bush begonnen. »Mit Trump erfährt sie ihre Wendung in die Höllenkomödie«.

Frankfurter Rundschau, 11.1.: AfD-Bundesparteitag in Riesa: Zur Kanzlerkandidatin gekürte Weidel will »alle Windräder niederreißen“«

NDR-kultur, Januar: Jakob Augstein im Interview über sein neues Buch „Die Farbe des Feuers“: »Ich habe immer schon geglaubt, dass die Vorstellung, dass wir Herr dessen sind, was wir tun, eine notwendige Vorstellung und ein Irrtum ist. Wir müssen uns das glauben, sonst bricht alles zusammen. Aber ich glaube, das ist Quark«.

Süddeutsche Zeitung, 13.1.: US-Verfassungsrechtler Samuel Issacharoff: »Trump ist das Symbol der Mutlosigkeit. Daher werde ich den 20. Januar als den Triumph des Pessimismus über die Demokratie betrachten. Sie scheint nur zu funktionieren, wenn der Glaube besteht, dass die Zukunft besser wird. Die Masse der Bevölkerung ist aber nicht mehr überzeugt, dass es ihre Kinder besser haben werden.«

der Freitag, 16.1.: Julia Schoch, »eine der interessantesten, deutschsprachigen Autorinnen der Gegenwart« (Trilogie „Biografie einer Frau“): »Wir bewohnen unsere Vergangenheit, wie man Träume bewohnt.«

DIE ZEIT/Elbvertiefung, 21.1.: Oskar Piegsa: »Die Weltlage ist, wie sie ist. Aber Veränderungen beginnen im Lokalen.«

SPIEGEL, 24.1.: »Aber ich möchte am Ende nicht sterben und sagen: ›Na ja, hab gelebt, war okay, war dreimal auf Malle.‹ Da soll schon stehen, dass ich die Welt zu einem besseren Ort gemacht hab.« (Jette Nietzard, Jahrgang 1999, studierte Erziehung und Bildung in der Kindheit, seit Oktober 2024 in einer Doppelspitze mit Jakob Blasel Bundessprecherin der Grünen Jugend)

Süddeutsche Zeitung, 26.1.: Die Rückkehr der Berufsverbote: Erstmals verweigert der Freistaat Bayern einer Klimaaktivistin, die erfolgreich auf Lehramt studiert hat, die Übernahme ins Referendariat. Begründung: Der Aktivismus von Klimaaktivistin Lisa Poettinger sei nicht mit der Verfassung vereinbar.

Hamburger Abendblatt, 4.2.: Zwickau verbietet Werbung für die Bundeswehr. Eine Straßenbahn in Tarnfarben beklebt soll Auslöser des Verbots gewesen sein. Der Stadtrat will Zwickau mit dem Beschluss als »Stadt des Friedens« positioniert sehen.

Süddeutsche Zeitung, 4.2.: Internist, Diabetologe und Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl: »Morgens wie ein Kaiser, abends wie ein Bettler. Wer um 13 Uhr Mittagessen hatte und um 22 Uhr zu Bett geht, sollte um 18 Uhr zu Abend essen. Stellen Sie sich die Bakterien in unserem Verdauungstrakt vor wie Tiere im Zoo. Da gibt es ja auch feste Fütterungszeiten.«

Süddeutsche Zeitung, 4.2.: Lt. Bayrischer Landesärztekammer arbeiten in Bayerns Krankenhäusern erstmals mehr Ärztinnen als Ärzte.

9.2.: Oskar Lafontaine in der aktuellen Biografie „Wut und Widerspruch“ von Andrea Maurer über Sahra Wagenknecht: »Ich habe immer gesagt: Beim ersten Bus kommen die Leute aus dem Dorf mit Blumen, beim zweiten Bus murren sie schon und beim dritten Bus werfen sie Steine. Das ist ein einfaches Bild, um sich klar-zumachen, dass man die Zuwanderung begrenzen muss, wenn man will, dass die Integration gelingt.«

Süddeutsche Zeitung, 22.2.: Wolf Biermann: »Mein Glaube ist noch verrückter als der Glaube an Gott. Denn ich glaube an die Menschen.«

DIE ZEIT, 5.3.: Nicola Lafrentz, Personalvorständin bei Beiersdorf: »Auf die Erfahrung, ein Kind zu haben, bereitet einen wirklich niemand vor. Ich bin in die Elternzeit gegangen, ohne mir vorher darüber einen Kopf gemacht zu haben. Insofern war vor allem die erste Elternzeit schwer. Aber zurückkehren ist auch nicht leicht. Ob Vater oder Mutter, man kommt teils als anderer Mensch zurück, mit geschärften Werten, anderer Verantwortung.«

Hamburger Abendblatt, 12.3.: Bundeswehr rät Soldaten, ihr Testament zu machen.

Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ), 14.3.: »Die grundlegende Schwäche der westlichen Zivilisation ist Empathie«, formulierte Elon Musk gerade in einem Podcast von Joe Rogan. Sie treibe den Westen in den »zivilisatorischen Selbstmord«.

der Freitag, 20.3.: »Unterstützung der Ukraine in Zukunft und die Frage, ob Aufrüstungsprogramme die richtige Reaktion auf militärische Bedrohung sind, sind sehr komplexe Themen. Aber über eins sollte es eigentlich kaum Dissens geben: darüber, dass es zutiefst unmoralisch ist, wenn ein ganzer Industriezweig massiv davon profitiert, dass Tausende Menschen ihr Leben verlieren und ganze Gesellschaften in Elend und Chaos stürzen. Wenn wir die Rüstungsproduktion verstaatlichen würden, wäre das ein klares moralisches Signal und der Staat würde sehr viel Geld sparen und für andere Investitionen zur Verfügung haben«. (Psychologe und Kognitionswissenschaftler Markus Knauff, Justus-Liebig-Universität Gießen)

der Freitag, 20.3.: Feindseligkeit ist oft keine Einbahnstraße. Auch nicht in den baltischen Staaten ( Jeffrey Sachs)

der Freitag, 20.3.: Saúl Luciano Lliuya macht den Energiekonzern RWE mitverantwortlich für das Abschmelzen der Andengletscher in seiner Heimat Peru. Es ist weltweit die erste Klage, die einen Konzern für Klimarisiken haftbar machen will. Verliert RWE den Prozess, hätte das gravierende Folgen. Süddeutsche Zeitung, 21.3.: »Lust auf Leben bedeutet, sich auch in das Unkontrollierbare zu stürzen.« (Soziologe Hartmut Rosa)

Süddeutsche Zeitung, 21.3.: »McDonald’s steht für Wiedererkennbarkeit und Gemeinsamkeit. Dort strömen Menschen rein und raus, das Leben ist sichtbar, fühlbar. In feinen Restaurants ist das anders, steif. Da fehlt die soziale Energie, ein Miteinander, das einen selbst und andere verändert.« (Soziologe Hartmut Rosa) Süddeutsche Zeitung, 21.3.: Wenn man wissen will, wie es den Menschen geht, sollte man nicht fragen, was hast du, sondern: Wohin gehst du? Diese Differenz ist wichtig. Die »lust for life«.(Soziologe Hartmut Rosa)

25.3.: Mely Kiyak erhält den Heinrich-Mann-Preis 2025. Der Satiriker Jan Böhmermann in seiner Laudatio: Kiyak habe alles, »was unser verzagtes Europa und unser ängstlich suchendes Deutschland gerade brauchen«. Dazu gehörten »Unerschrockenheit, Präzision, eine ausgeprägte Allergie gegen alte Gedanken und falsche Freundlichkeit, die Bereitschaft zu Unverschämtheit, auch gegen sich selbst«.

Süddeutsche Zeitung, 27.3., Thorsten Schmitz: »Lasst uns über Gaza reden«: Seit eineinhalb Jahren kämpfen auch viele israelische Reservisten gegen die Hamas. Der Horror sind nicht nur Zehntausende getötete Palästinenser, viele keine Hamas-Terroristen, sondern Kinder, Frauen, Alte. Kommandant Noi, privat Steuerberater, gerade geheiratet: »Richtig schwer gefallen sei ihm der Wechsel zwischen den Welten, nicht der Krieg…Die Bilder, die man nicht mehr los wird. Hunde, die Leichen fressen, Soldaten, deren Beine von Panzerfäusten zerfetzt werden…Nach 60 Tagen Hölle kommst du zurück nach Tel Aviv und die Leute sitzen in Cafés, trinken Hafermilchcappuccinos… spätestens da kommt alles hoch.«

der Freitag, 27.3.: »Freiheit hört genau dort auf, wo mit Worten Grenzen zwischen Menschen gezogen werden.“ (Fikri Anıl Altıntaş)

Süddeutsche Zeitung, 31.3.: Klimaforscherin Sonia Seneviratne von der ETH Zürich über den Wasserkreislauf im Klimawandel: »In einer zwei Grad wärmeren Welt gegenüber vorindustriellen Zeit, das heißt im Durchschnitt nur circa ein halbes Grad wärmer als jetzt, werden in Südeuropa die meisten der heute existierenden Ökosysteme nicht mehr überleben.«

republik.ch, 31.3.: Es ist Zeit für einen europäischen digitalen Patriotismus: »Der amerikanische Rechtsstaat existiert im Grund nicht mehr. Wenn Trump morgen beschliesst, Sanktionen gegen Europa einzuführen, dann zieht Microsoft den Stecker und bietet keinen Support mehr an.« (der niederländische Informatiker und Geheimdienst­experte Bert Hubert)

SPIEGEL, 3.4.: Einer Forschungsgruppe zufolge gibt es jetzt erstmals mehr Menschen ohne Religionszugehörigkeit als Katholiken und Protestanten.

der Freitag, 3.4.: »Der Verteidigungshaushalt ist zwischen 2018 und 2023 von 38,5 auf 51,8 Milliarden gewachsen. 2025 wird er ein Volumen von 55 Milliarden Euro haben. Da passen die Haushalte von Bildung, Forschung, Klima, Energie, Gesundheit, Umweltschutz und Reaktorsicherheit zusammen rein«. (Marco Bülow, MdB seit 2002, bis 2018 SPD, seit 2020 DIE PARTEI)

Süddeutsche Zeitung, 3.4.: Der Philosoph Omri Boehm sollte am 11.4. zum 80. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald sprechen. Doch nun wurde er wieder ausgeladen – auf Druck der israelischen Botschaft. Sonja Zekri: »Es ist zutiefst beunruhigend, wenn sich die Regierung Netanjahu in die deutsche Kulturpolitik einmischt.«

Süddeutsche Zeitung, 5.4.: Bundespräsident Steinmeier verleiht einen Friedenspreis - und plädiert für Aufrüstung.

Süddeutsche Zeitung, 5.4.: »Die Fähigkeit, sich einigen zu können, scheint abzunehmen. Selbst in der Politik, bei der Konsens und Kompromiss eigentlich die Grundlage von Erfolg sind. Das macht mir wirklich Sorgen.Wir können alle meckern, was das Zeug hält, aber wir müssen den Muskel der Gemeinsamkeit trainieren. Kollektiv wissen wir alles. Das ist eine Superkraft. Ich verstehe nicht, warum wir das alle nicht viel öfter machen.« (Bis 2024 EthikratvorsitzendeAlena Buyx, Buch: »Leben und Sterben«)

Süddeutsche Zeitung, 5.4.: »Stabilität habe ich immer in der griechischen Philosophie gefunden. Sich ein Stück weit neben sich selbst und seine Gefühle zu stellen, halte ich für hilfreich«. (Bis 2024 EthikratvorsitzendeAlena Buyx, Buch: »Leben und Sterben«)

ZEIT-Elbvertiefung, 7.4.: In der U1 zwischen Kellinghusenstraße und Lattenkamp: »Seit ein paar Wochen sendet mir der Kosmos ein Signal.« – »Und was für eins?« – »Wenn ich auf der Treppe zum Bahnsteig bin, fährt der Zug gerade ab. Jeden Morgen, ungelogen. Ich bin die Erste, die auf den nächsten wartet, ich wäre aber lieber die Letzte, die ihn gerade noch kriegt – was soll mir das sagen?«

Süddeutsche Zeitung: Annette Benjamin, 1978 Sängerin der Punk-Band »Hans-A-Plast«, sagt am 8.4.25 in der Süddeutschen: »Die aktuellen politischen Bedrohungen basieren ja zum Großteil auf einem maskulinen Weltbild, in dem der Stärkere immer der Siegreiche ist. Dagegen sollten wir auch mit Musik kämpfen. Die feinsten Antennen dafür, was es bedeutet, in der Welt von heute zu leben, hat die Jugend.«

Süddeutsche Zeitung, 12.4.: »Numerisch wächst der Wohlstand. Wir werden reicher in allen Dingen, die sich messen lassen, und ärmer in allen Dingen, die sich der Statistik entziehen. Die Menschen werden immer einsamer, sie haben immer weniger Freunde, bekommen immer weniger Kinder, finden immer weniger Sinn in ihrer beruflichen Tätigkeit.« (Emma Holten, Politikberaterin, Mitglied des Sachverständigenforums des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen)

Spiegel,16.4.: Sachsens Ministerpräsident Kretschmer: »Wenn Bürgerräte repräsentativ zur Bevölkerung gebildet sind, kommen sie zu rationalen Ergebnissen. Das kann ein Instrument sein, um den Menschen zu zeigen, dass die Politik tatsächlich an ihren Meinungen interessiert ist und nicht einfach nur etwas vorgeben will.«

der Freitag , 17.4.: Im Kampf gegen die Feinde der Demokratie bedroht der Staat dieselbe längst selbst. Denn »nicht Kontrolle schafft Stabilität, sondern Auseinandersetzung. Man weiß das seit Jahrhunderten.« (Claudia Wittig, Historikerin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)

Hamburger Abendblatt, 19.4.: Resilienz (Widerstandsfähigkeit) beginnt schon in der Erziehung, sagt Anne-Leena Schnoor, Leitende Suchttherapeutin im größten Psychiatrischen Krankenhaus Deutschlands in 24635 Rickling: »Wer seinen Kindern beibringt, die eigenen Emotionen wahrzunehmen und auch zu beschreiben, sorgt dafür, dass sie einen Schutzfaktor aufbauen.«

19.4.: In Peking sind bei einem Halbmarathon mehrere humanoide Roboter gegen Menschen gelaufen. Der schnellste Humanoid »Tiangong« lief nach 2:40:24 über die Ziellinie. Der schnellste Mensch brauchte 1:11:07.

der Freitag, 24.4.: »Radikal ist nicht zwangsläufig derjenige, der sich gegen die herrschenden Strukturen und Praktiken dieser Gesellschaft wendet und diese aufgrund ihrer offensichtlich destruktiven Konsequenzen in Frage stellt, sondern eine Gesellschaft, die glaubt, ihr zerstörerisches Lebensmodell ohne wesentliche Veränderungen (business as usual) auch weiterhin fortsetzen zu können.« (Eckart Löhr, Buch: »Die Würde der Natur«)

Süddeutsche Zeitung, 26.4.: EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm zu Papst Franziskus: »Wenn Sie damals Papst gewesen wären, wäre die Geschichte anders verlaufen.« Franziskus antwortete mit verschmitztem Lächeln: »Dann hätte ich Luther zum Kardinal gemacht!«

Süddeutsche Zeitung, 26.4.: »In der heutigen Bundesrepublik hängen wir der Illusion einer permanenten Gegenwart an, in der man keine Gedanken, keine Vorkehrungen braucht, die die Gesellschaft der Zukunft betreffen. Dabei müssten wir etwas an den Bedingungen ändern, unter denen politisch diskutiert, abgestimmt und regiert wird.« (Nils Minkmar)

Spiegel, 26.4.: Long Xijin, 37, Händler im ostchinesischen Yiwu, dem größten Handelszentrum der Welt: »Wenn sich die Umstände ändern, musst du mit ihnen tanzen.«

Die Zeit, 30.4.: Unter dem Thema Kriegsgefahr fordern sechs Intellektuelle – die Autorin und Verfassungsrichterin Juli Zeh, Strafrechtlerin Elisa Hoven, Philosophin Svenja Flaßpöhler, Philosoph Robert Pfaller, Strafrechtlerin Frauke Rostalski und Soziologe Hartmut Rosa – »Wir dürfen beim Thema Krieg und Frieden nicht dieselben Fehler machen wie während der Pandemie. Lassen Sie uns bitte reden«, und schreiben unter anderem: Auch unter dem Eindruck der aufkommenden Pandemie wurde Angst zum Teil als bewusste Strategie von Politik eingesetzt. Ein Strategiepapier aus der Feder des Bundesinnenministeriums sah damals explizit vor, an die Ängste der Menschen zu appellieren, um, wie es der an dem Papier beteiligte Soziologe Heinz Bude später erklärte, »Folgebereitschaft herzustellen«. In dem Text ist von einer »gewünschte[n] Schockwirkung«, von »Urangst« und Schuldgefühlen von Kindern die Rede, die durch entsprechende Kommunikation geweckt werden sollten.

der Freitag, 30.4.: Clara Mattei, italienische Ökonomin und Leiterin des Center for Heterodox Economics, of The University of Tulsa Oklahoma: »Der Staat ist auf der Seite der Kapitalisten, nicht der Arbeiter. Soziale Aufgaben gelten als gefährlich, weil sie Menschen ermutigen könnten, sich politisch einzumischen.«

Süddeutsche Zeitung, 10.5.: Nick Mortimer, Geologe vom GNS Science in Neuseeland, beschreibt Zealandia, den 8. Kontinent. Er erstreckt sich im Pazifik von Neuseeland bis Neukaledonien und zeigt, »dass Naturwissenschaft das Offensichtliche übersehen kann«.

Süddeutsche Zeitung, 14.5.: Die ungarische Schach-Großmeisterin Judit Polgár, 48, hat in ihrer Karriere am Brett insgesamt acht Schachweltmeister besiegt. »Wenn ich heute junge Mädchen kennenlerne, sage ich ihnen immer: Ihr dürft eure Fähigkeiten nicht unterschätzen, nur weil andere Menschen zu geringe Erwartungen an euch haben. Das Umfeld, in dem Frauen aufwachsen, ist nicht inspirierend genug.«

Süddeutsche Zeitung, 14.5.: Jürgen Beyerer, Vorsitzender des Frauenhofer-Leistungsbereichs Verteidigung, Vorbeugung und Sicherheit: »Wir sind nicht im Krieg, aber auch nicht im Frieden. Wir werden bereits beständig angegriffen: durch Sabotageakte, durch Desinformationskampagnen, durch Hacker. Wir müssen davon ausgehen, dass Gegner keinerlei Skrupel haben.«

Hamburger Abendblatt, 14.5.: Papst Leo XIV.: »Wenn wir die Worte entwaffnen, tragen wir zur Abrüstung der Erde bei«.

der Freitag, 15.5.: »Die Diskussion über Gaza tut vielen weh: Weil sie Folgen für die Staatsräson nach sich zieht.« (Hanno Hauenstein)

Süddeutsche Zeitung-Magazin, 16.5.: »Keine Ahnung, wie das noch weitergehen soll, aber mir gruselt davor.« (Franz Müntefering, 85).

Süddeutsche Zeitung, 16.5.: »Das Reden mit dem Gegner ist auf allen Ebenen notwendig. Es setzt sich so vielleicht eine Kultur des Friedens auch in Kriegszeiten fort«. (Heribert Prantl)

Süddeutsche Zeitung, 17.5.: Simon Rattle, Leiter des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks: »Wir müssen die Leute mit Kunst füttern. Kunst macht uns menschlich.«

DIE ZEIT, 22.5.: »Musik ist von den größten Meistern gemacht, wir sind unten, und die Musik steht über uns. Das ist eine religiöse Konstellation. Musik ist quasi eine Gottheit. Im Vergleich mit dieser Gottheit sind wir nichts, aber wir können ihr dienen.« (Herbert Blomstedt, schwedische immer noch aktive Dirigentenlegende, 97).

der Freitag, 27.5.: Deutschland erlebt den trockensten Frühling seit der Wetteraufzeichnung. In Brandenburg werfen die Störche ihre Küken aus dem Nest. »Uns muss klar sein, dass unsere Nachkommen fragen werden: Warum habt ihr denn einfach weiter neue Gaskraftwerke gebaut? Warum habt ihr geglaubt, ein Leben ohne Tempolimit sei gottgegeben? Warum nur habt ihr an den Ergebnissen der Wissenschaft gezweifelt?« (Nick Reimer)

DIE ZEIT, 28.5.: »Politische Maßnahmen erfordern politische Überzeugungskraft. Man muss sie erklären. Wer nur auf die Fakten verweist, verhindert eine Diskussion. Der Fakt ist das, worauf wir uns am Ende einer differenzierten Auseinandersetzung einigen. Wissenschaft ist nie ganz neutral. Bereits in der Forschungsfrage verbirgt sich immer schon eine Weltanschauung.« (Harvard-Professorin und Wissenschaftsoziologin Sheila Jasanoff)

Süddeutsche Zeitung, 31.5.: Das Schweizer Dorf Blatten ist nach einem Bergsturz verschüttet. Kaum jemand der Betroffenen möchte offen über die Katastrophe sprechen. Der Permafrost und die Gletscher tauen. Die Behörden bereiten bereits die Evakuierung weiterer Dörfer vor.

Süddeutsche Zeitung, 31.5.: Europaparlament: »Hier kann man an einem Tag einer rechtsextremen orthodoxen Christin aus Rumänien zuschauen, wie sie in einer Sitzung Jesus-Ikonen hochhält und „In God we trust" ruft. Und am anderen Tag einen prorussischen Slowaken dabei beobachten, wie er am Rednerpult eine weiße Taube ins Plenum fliegen lässt, weil Europa „Frieden" brauche. Welchen Platz in der Welt hat diese EU künftig?« (Jan Diesteldorf)

Süddeutsche Zeitung, 11.6.: Karikatur von Miriam Wurster: Fragt einer verwundert »Guckst du jetzt am helllichten Tag Kriegsfilme?« Antwort: »Das sind Nachrichten aus L.A. …«

Spiegel, 15.6.: Schauspieler Joachim Meyerhoff: »Trump ist der pervertierte amerikanische Traum«.

Süddeutsche Zeitung, 16.6.: Soziologe Aladin El-Mafaalani, Professor für Migrations- und Bildungssoziologie an der Technischen Universität Dortmund: »In der analogen Welt stören Kinder eigentlich immer. Dass sie uns als Gesellschaft häufig nicht stören, hat also damit zu tun, dass sie eine Ersatzwelt bekommen haben. Und dann regen wir uns drüber auf, dass sie ständig am Handy hängen.«

der Freitag, 19.6.: Wir Gegenwartsverdränger: die schlimmste Katastrophe wütet im Sudan – von wo die Menschen in Nachbarländer fliehen, nach Ägypten, nicht Deutschland. Lt. Friedensgutachten 2025bekriegen sich im Sudan zwei staatliche Armeen, zu deren Mitteln die Strategie der verbrannten Erde gehört. Im Oktober 2024 wurde bekannt, dass eine Gruppe von mehr als 100 Frauen gemeinsam Selbstmord begangen hatte, um der sexuellen Gewalt der RSF – einer der beiden Armeen – zu entkommen. Michael Jaeger: »Was in der Welt geschieht, wollen wir nicht wissen, aber die Migration stellt uns die Rechnung aus.«

DIE ZEIT, 23.6.: »Seit Anfang des Krieges wird Teheran beinahe rund um die Uhr bombardiert. Aus allen Richtungen der Stadt steigen Rauchsäulen und Flammen auf. Es ist, als würde eine Melodie aus Angst, Feuer und Zerstörung ununterbrochen und taktlos auf einem riesigen Klavier in der Form und Größe dieser Großstadt mit den Tönen einer Katastrophe gespielt. Diese beklemmende, erschreckende Musik wird mit jeder Stunde und jedem Tag schneller und lauter – und es scheint, als würde sie so bald kein Ende haben.« (Mazaher Shahamat, Schriftsteller, er lebt in Teheran.)

Republik.ch, 28.6.: Auf dem NATO-Gipfel v. 25.6., »einer bizarren Buhl-Orgie vor dem Thron des amerikanischen Präsidenten«, wurde heute die größte Aufrüstung seit Ende des Kalten Krieges beschlossen – »Welt­politik auf der Psychiatrie­station.« (Kolumnist Daniel Binswanger)

Süddeutsche Zeitung, 28.6.: »Wenn man unter Freiheit versteht, dass die Zukunft offen ist und wir sie gestalten können, dann sagt uns die Wissenschaft in doppelter Hinsicht, dass wir nicht frei entscheiden. Zum einen gibt es die These, dass das Gehirn uns vorgibt, was wir tun sollen, und dass nicht ich selbst bestimme, was ich tun will. Die Wissenschaft sagt: Der Geist ist ein Nebenprodukt des Gehirns. Die Entscheidungen laufen dort und wir werden im Bewusstsein darüber informiert, aber die Vorstellung, eine bewusste Kontrolle über unser Leben zu haben, ist eine Illusion.« (Philosoph und Jesuit Godehard Brüntrup)

28.6.: »Habe festgestellt, wenn ich nicht zuhöre, halten die Batterien vom Hörgerät länger. Wenn ich weggucke, brauche ich keine Sehhilfe. Habe ich alles Trump zu verdanken.« (Karikaturist RATTELSCHNECK)

ZEITonline, 29.6.: Nobelpreisträger Anton Zeilinger: »Die Natur [ist] auf unterster Ebene unscharf. Der Zufall ist Teil der Wirklichkeit. Es gibt keine tiefer liegenden Ursachen. […] Für mich ist das eines der faszinierendsten wissenschaftlichen Ergebnisse des 20. Jahrhunderts.«

Republik.ch: lt. Solarenergie erzeugte im Juni 2025 22,1 % des EU-Stroms (45,4 TWh), mehr als jede andere Stromquelle. Dies ist ein Anstieg von 22 % gegenüber Juni 2024. An zweiter Stelle stand die Kernenergie mit 21,8 % (44,7 TWh), gefolgt von Wind mit 15,8 % (32,4 TWh).

Süddeutsche Zeitung, 1.7.: »Wenn wir in Deutschland einen effektiven Hebel beim Klimaschutz haben, dann ist es nicht die Reduktion unserer eigenen Emissionen, dafür ist unser Anteil an den weltweiten Emissionen zu gering. Es ist die Technologie, die wir entwickeln, und die internationale Zusammenarbeit. Würde zum Beispiel Indien mit dem Technologiemix Deutschlands produzieren, dann wären die indischen Emissionen um 70 Prozent niedriger.« (Veronika Grimm, Ökonomieprofessorin in Nürnberg und Mitglied der Wirtschaftsweisen).

Süddeutsche Zeitung-Magazin, 4.7.: »Der Boom der Selfies erklärt sich am besten dadurch, dass der heutige Mensch die Welt nur als eine Art Illustration seiner selbst begreift.« (Axel Hacke)

der Freitag, 10.7.: Die Datenwissenschaftlerin Ba-Linh Le hat mit KI die App Lizzy entwickelt, die Femizide – Prognosen zu Gewalt gegen Frauen – vorhersagt. Sie wird bereits in acht Bundesländern eingesetzt.

Spiegel, 13.7.: »Ich würde mir wünschen, dass junge Menschen diesen viel diskutierten Brief bekommen, der nicht nur einen Fragebogen enthält, sondern eine Einladung, sich freiwillig zur Bundeswehr zu melden. Diese Einladung physisch in den Händen zu halten, kann viel ausmachen. Das würde den jungen Menschen den Ernst der Lage verdeutlichen und Anlass bieten, sich selbst zu befragen und auch mit den Freunden darüber zu reden. Wir sind nicht mehr die Gesellschaft, die wir vor fünf Jahren waren. Ich denke, die Regierung muss mutiger sein, und das kann auch heißen, sich zur Wehrpflicht zu bekennen und die Debatte durchzustehen.« (Friedensforscherin Nicole Deitelhoff)

Süddeutsche Zeitung, 15.7.: »Wir dürfen nicht vergessen, dass auch die Batterien von Elektroautos kleine Bomben sind.« (Chemiker Prof. Peter Schreiner, dem es gelungen ist, höchstexplosiven Hexastickstoff N6 zu erschaffen)

DIE ZEIT, 31.7.: »Nach meinen Berechnungen wird die künstliche Intelligenz die menschliche Intelligenz im Jahr 2029 erstmals übertreffen.« (Raymond „Ray“ Kurzweil, Autor, Erfinder, Futurist und Leiter der technischen Entwicklung bei Google)

Hamburger Abendblatt, 2.8.: Die Stadt Kiel gedenkt Anfang August mit mehreren Veranstaltungen der amerikanischen Atombombenabwürfe über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki vor 80 Jahren.

Süddeutsche Zeitung, 8.8.: Die rechtslastige, mehr als 19 Millionen Nutzer zählende spanische NGO-Plattform Citizen-Go,gegründet von dem Anwalt Ignacio Arsuaga (52), brüstet sich damit, die Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin torpediert zu haben. »Es ist einer von vielen Fällen, in denen die Stiftung in Deutschland den Kulturkampf anheizt.«

DIE ZEIT, 14.8.: »Bildung scheint bei der Meinungsbildung keine Hilfe zu sein. Intelligenz wird gerne genutzt, um eigene Denkfehler wegzuerklären, statt sie zu korrigieren. Und: Gemeinsam irrt es sich leichter.«

Süddeutsche Zeitung, 29.8.: Schriftsteller und HSV-Fan Saša Stanišić (neuestes Werk: »Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck abgebildet wird«) im Interview zum Stadtderby HSV gegen St.Pauli: »Ich würde gerne Freunde mit zum HSV nehmen und zeigen, wie toll es im Volkspark ist. Leider will in der Regel keiner mit.«

Giulia Enders, 31.8.:»Wir leben in einer lauten und fordernden Welt. Von außen prasseln andauernd Informationen auf uns ein: was wir erreichen sollten, wie wir leben könnten, wie wir auszusehen oder uns zu fühlen haben – während wir oft noch nicht einmal begreifen, was wir im Hier und Jetzt bereits sind.«

Süddeutsche Zeitung, 2.9.: Kann man Demokratie lernen? »Demokratie muss man erst mal wollen. Und wer Demokratie will, muss aushalten, dass es Leute gibt, die in vielem anderer Meinung sind als man selbst.« (Thomas Krüger, scheidender Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung)

Süddeutsche Zeitung, 7.9.: In den Büros ringsum arbeiten jede Menge Banker, Unternehmensberater und Wirtschaftsanwälte. Wissen die, was Sie über sie denken? Rutger Bregman: In meinem neuen Buch (»Moralische Ambition. Wie man aufhört, sein Talent zu vergeuden, und etwas schafft, was wirklich zählt«) nenne ich diese drei Branchen »das Bermudadreieck für Talent. Im Grunde sind das schwarze Löcher, die viele unserer talentiertesten Leute aufsaugen. Sie verschwenden ihr Leben mit langweiligen Aufgaben, die der Welt rein gar nichts bringen.«

Spiegel, 8.9.: »Wir sind so fasziniert von den antiken Römern und Griechen und identifizieren uns mit ihnen, weil sie in eine bis heute dominante Denkschule passen, die die Welt über einzelne Großzivilisationen (miss-)versteht.« Das, so Althistorikerin und Cambridge Professorin Josephine Quinn, verenge den Blick auf Vergangenheit und Gegenwart auf gefährliche Weise.

Campact, 9.9.: Frankreich hat als erstes Land der Welt das Recht auf Abtreibung in die Verfassung geschrieben – und zeigt damit, was möglich ist! Während wir hier noch um die Legalisierung kämpfen, ist dort Abtreibung nicht nur straffrei, sondern als Grundrecht verankert.

taz-FUTURZWEI, 9.9.: Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass Investitionen in Solar im Jahr 2025 ein Volumen von 450 Milliarden US-Dollar erreichen und damit der größte Einzelposten der globalen Energieinvestitionen sein werden.

15.9.: »Die Arbeit mit künstlicher Intelligenz setzt ein gerütteltes Maß an Selbstinfantilisierung voraus, oder, um es mit Immanuel Kant zu formulieren: eine neue Form der selbstverschuldeten Unmündigkeit.« So Philosoph Konrad Paul Liessmann in seinem gerade erschienenen Buch »Was nun? Eine Philosophie der Krise«)

25.9., DIE ZEIT: »Liebe ist ein Tuwort!« steht auf einem alten Kuchenteller, angeklebt von fraujule (42) an eine Hauswand in Eimsbüttel

Der Freitag, 2.10.: »Wer die Geschichte gelesen hat, weiß, dass Ungehorsam die ursprüngliche Tugend des Menschen ist. Durch Ungehorsam ist der Fortschritt geweckt worden, durch Ungehorsam und Rebellion«, erkannte der großartige englische Schriftsteller Oscar Wilde bereits 1881, und die brillante Denkerin Hannah Arendt forderte kurz und konsequent: »Niemand hat das Recht zu gehorchen.« (Aus: »Der Liebe zuliebe«, Konstantin Weckers neuem Buch)

netzpolitik.org/GNU/Linux.ch, 7.10.: Schleswig-Holstein hat 40.000 Postfächer der öffentlichen Verwaltung auf Open-Source-Lösungen umgestellt. Bisher lief die eMail-Kommunikation über Microsoft Exchange und Outlook.

falter.at, 7.10: Eliot Higgins, britischer Blogger (Plattform Bellingcat) und Investigativjournalist: »KI gibt uns die offizielle Lizenz dafür, dass Menschen die Realität nicht mehr glauben müssen.«

falter.at, 7.10: Das neue Jugend-und Internetphänomen wir-essen-pudding-mit-einer-gabel-treffen, wozu sich erstmalig am 28. August auf dem Karlsruher Kronenplatz zahlreiche Teilnehmer trafen, erobert gerade den gesamten deutschsprachigen Raum. In Wien waren kürzlich zu so einem Aufruf 1500 Menschen gekommen.

der Freitag, 9.10.: Trump-Plan zu Gaza: »Es gibt Verwüstungen, die an Landschaften in Hiroshima erinnern« (Sabine Kebir).

Moment.at, 15.10.: Der Sozialstaat, die Investition in den sozialen Frieden, ist eine der großen Errungenschaften der menschlichen Zivilisation. In Krisenzeiten kürzt man immer den Sozialstaat. Wie über den Sozialstaat geredet wird, ist ein demokratisches Versagen. Wir als Bevölkerung sollten uns das nicht bieten lassen. (Natascha Strobl)

Süddeutsche Zeitung, 16.10.: »Das ist das Gute an der Welt«, sagt Olaf Scholz beim Besuch eines Bio-Bauernhofs im brandenburgischen Werder auf die Frage eines jungen Mannes zum Westbalkan. »Es geht nie zu Ende.«

Republik.ch, 17.10.: Die Welt hat ihren ersten Klimakipppunkt überschritten: In einem neu vorgelegten Bericht kommen internationale Klimawissenschaftlerinnen zum Schluss, dass die tropischen Korallenriffe nahezu ganz und unumkehrbar sterben werden. Das wird gravierende Folgen haben, denn ein Viertel aller Meereslebewesen hängt von den Korallen ab.

Süddeutsche Zeitung, 20.10.: Podcasts kompensieren den Verlust gemeinsamer Gesprächsräume in unserer Gesellschaft. Ein Drittel der Podcasthörer nutzt sie auch als Einschlafhilfe. Das ist ein bisschen wie früher, als einem Mama oder Papa am Bettrand vorgelesen haben. (Max Scharnigg)

der Freitag, 23.10.: Zwischen 1994 und 2019 haben die Ozeane insgesamt rund 228 Zettajoule an Energie aufgenommen, wie eine Studie von chinesischen und amerikanischen Forschern ergeben hat - das entspricht der Energie von 3,6 Milliarden Hiroshima-Bomben. Diese Wärme lässt das Wasser sich ausdehnen - ein Grund für den Anstieg des Meeresspiegels. In Cuxhaven stieg der Pegel seit 1843 um 43 cm.

der Freitag, 23.10.: Das „Problem im Stadtbild“ (Bundeskanzler Merz) ist „die überall sichtbare gescheiterte Sozial- und Wohnungspolitik der letzten Jahre. Die Zahl der Wohnungslosen in den Städten explodiert.“ (Alina Saha)

der Freitag, 23.10.: „Nicht für die eigene Schuld einzustehen, wäre perfide" erklärt Sabine Minninger, Referentin für Klimapolitik bei „Brot für die Welt", vor ihrer Reise zum Weltklimagipfel in Brasilien.

Süddeutsche Zeitung, 24.10.: Erstaunliche Entdeckungen nach der Gürtelrose-Impfung: Fachleute beobachten, dass Geimpfte auch seltener Demenz, Schlaganfälle und Herzinfarkte erleiden. Der sehr ausführliche Artikel von Berit Uhlmann kommt zum Schluss: »Das spricht dafür, dass sehr viel mehr Menschen als jetzt die Impfung wahrnehmen sollten. Laut Robert-Koch-Institut ist aktuell nur jeder Fünfte ab 60 Jahren gegen die schmerzhafte Erkrankung geimpft.«

der Freitag, 29.10.: »Jetzt kommt alles darauf an, so viele Menschen wie möglich festzunageln: Was würdest du tun, wenn Schwarz-Blau an die Macht kommt und die Jurist*innen sagen, das Grundgesetz gilt nicht mehr? Was wirst du dann tun?« (Das fragt Philipp Ruch im interview am 13. Oktober im Berliner Renaissance-Theater Jakob Augstein. Ruch ist Gründer des Zentrums für Politische Schönheit und Kopf hinter der »Sommerinterview«-Störaktion am 20.7.25 gegen Alice Weidel.)

Süddeutsche Zeitung-Magazin, 30.10.: Gabriela Herpell interviewt die CNN-Reporterin Christiane Amanpour, die für ihre Kriegsberichterstattung weltweit bekannt ist. Sie fragt sie, ob sie nach einem Gespräch manchmal enttäuscht ist. Amanpour: »Oft, aber eher von mir. Die Angst, dass ich meine Arbeit nicht gut genug mache, ist meine größte. Aber das hält mich am Laufen.«

Süddeutsche Zeitung-Magazin, 30.10.: »Ich denke, dass manche Menschen auf dem Weg vom Maulwurf zum Homo sapiens etwas früher stehen geblieben sind. Man merkt es an ihrer Sprache und an ihren geistigen und kreativen Räumen. Tabletten könnten helfen, aber sie gehen nicht zum Arzt.« (Schriftsteller und Kolumnist Axel Hacke)

ZEIT-Elbvertiefung, »Hamburger Schnack«, 30.10.: »Mein Mann und ich tauschen uns gerne über Nachrichten aus unseren unterschiedlichen Quellen aus. Ich zu ihm: »Hast du das auch schon gelesen: Das Rebhuhn ist Vogel des Jahres 2026!« Er: »In der Gastronomie oder wo?« (Gehört von Franziska Lorenz)

der Freitag, 30.10.: »Es ist eine unglaubliche kulturelle Leistung der Russen, die Kriegslast mit den Ostdeutschen geteilt zu haben. Sie haben die Deutschen wie sich selbst als Opfer eines schrecklichen Krieges gesehen. Generell haben sie die Deutschen nie verachtet, sondern für ihre Kultur geschätzt.« (Gabriele Gysi, Schauspielerin, Regisseurin, Autorin »Die Nacht, als Soldaten Verkehrspolizisten wurden«, 2025)

Spiegel, 5.11.: Uno-Generalsekretär António Guterres vor der COP30 in Belém/Brasilien: »Wir sind dabei gescheitert, die Erderwärmung auf unter 1,5 Grad zu begrenzen. Das ist ein moralisches Versagen – und tödliche Fahrlässigkeit«

DIE ZEIT, 6.11.: „Nur zur Erinnerung: Christian Lindner nannte die erneuerbaren Energien kurz nach dem russischen Überfall ‚Freiheitsenergien‘ und forderte angesichts der neuen Weltlage, sie umso energischer auszubauen.“ (Bernd Ulrich)

DIE ZEIT, 6.11.: »Glück ist nur eine Nebenwirkung der Evolution« (Biologe und Bestsellerautor, Richard Dawkins, 84)

DIE ZEIT, 6.11.: In der Netflix-Serie »Adolescence« sitzt Jamie an einem Tisch in der Jugendstrafanstalt, sieben Monate nachdem er seine Mitschülerin ermordet hat. Ihm gegenüber eine Psychologin. Sie will wissen, was es für den Dreizehnjährigen heißt, ein Mann zu sein. Und was er über Frauen denkt. . .– Wegen der Netflix-Serie »Adolescence« müssen Jungen an britischen Schulen nun Workshops über Frauenhass besuchen.

Süddeutsche Zeitung-Magazin, 7.11.: »Wir schlafwandeln durchs Leben und nehmen die Schönheit um uns herum, nicht wahr« (Der isländische Starpianist Vikingur Ólafsson)

Süddeutsche Zeitung, 7.11.: Lohnt sich nicht: Die Zahl der Inlandsflüge in Deutschland geht stark zurück. Dafür gibt es einige Gründe, Umweltschutz gehört nicht dazu.

MOMENT.at, 8.11.: Weil in Australien tagsüber so viel Strom aus Sonnenenergie erzeugt wird, wird er ab nächstem Jahr für Haushalte mindestens drei Stunden am Tag nichts kosten.

Instagram Videoclip, Oktober: »Wir haben jetzt 18.41. Ich habe das Haus um 7.30 verlassen, bin jetzt vor meiner Haustür. Ihr wollt mir doch nicht sagen, dass das das Leben ist?« (Julian Kamps, 25, Bankkaufmann, Junior Manager in einer Medienagentur, Influencer und Teilnehmer an der Casting Show Germany’s Next Topmodel)

Süddeutsche Zeitung, 14.11.: »Jedes Gehirn ist eine prediction machine. Wir alle sammeln permanent Informationen und verarbeiten die zu Vorhersagen. Auch Ihr Gehirn versucht dauernd, die Zukunft zu verstehen. Entscheidend für gute Vorhersagen ist allerdings, sich selbst permanent infrage zu stellen. Sich selbst und den aktuellen Wissensstand.« (Politikwissenschaftlerin Florence Gaub, Forschungsdirektorin der NATO-Militärakademie in Rom)

der Freitag, 20.11.: Selten hat sich die deutsche Öffentlichkeit so fasziniert mit einem Rapper beschäftigt wie seit Wochen mit Aykut Anhahn, alias »Haftbefehl« und seiner Doku »Babo«. Wovon »Haftbefehl« rappt (Darstellung des Lebens in einem Umfeld voller Instabilität und Konfflikte) sagt der Offenbacher Lehrer Murat Sasmaz, »das kennen meine Schüler von zu Hause. Goethe und Haftbefehl sind kein Gegensatz. Goethe steht für das klassische kulturelle Erbe, Haftbefehl für heutige Lebensrealitäten. Beides zusammen zeigt die Vielfalt unserer Gesellschaft.«

Süddeutsche Zeitung, 22.11.: Wie in vielen anderen Orten findet sich in Altenbamberg kein Bürgermeister mehr. Der bisherige Amtsinhaber Holger Conrad hat das Ehrenamt nach zehn Jahren frustriert aufgegeben. Er wollte gestalten, doch es gab »überhaupt keinen Spielraum«. Und jetzt? In Rheinland-Pfalz sind noch immer 55 Bürgermeister-Posten unbesetzt.

Spiegel, 23.11.: Die deutsche Außenpolitik, sagt der Politologe Daniel Marwecki in seinem Buch »Die Welt nach dem Westen« sei vom »Karl-May-Syndrom« geprägt: »Wir sind immer die Guten«.

Süddeutsche Zeitung, 24.11.: China setzt beim Bau eines neuen Tunnels für seine Hochgeschwindigkeitszüge erstmals zentral auf eine künstliche Intelligenz. Sie hat die Bauleitung. Entwickelt wurde das KI-System von einem Verbund chinesischer Forschungszentren und Universitäten, die sich auf Geotechnik und Bergbau spezialisiert haben.

DIE ZEIT, 25.11.: Latein ist nicht mehr als erste Amtssprache im Vatikan vorgeschrieben

Falter.at, 29.11.: Armin Thurnhers Seuchenkolumne: „Der Supermarkt belohnt uns mit seiner Ausdehnung des Angebots dafür, dass er uns wieder zu Sklaven und Bedienten unserer selbst macht. Seine Warenvielfalt soll uns für den Verlust unserer Würde entschädigen.“

bsky.social, 30.11.: Ein Satz, der noch nie über die Lippen eines Kanzlers oder einer Kanzlerin gekommen ist: „Ich störe mich an Neonazis im Stadtbild. Ich störe mich an der Rückkehr der Hitlerscheitel, den Uniformen, den Hakenkreuzen und Sieg-Runen auf Stromkästen und Häuserwänden." (Robert Fietzke – @robertfietzke.bsky.social, Jugendbildungsreferent und Hochschuldozent sowie Jugendkoordinator für "Die Linke" in Sachsen-Anhalt)

Süddeutsche Zeitung, 3.12.: Cartoon: „… natürlich würde ich Frieden begrüßen, aber ich bin auch etwas besorgt um meine Rüstungsaktien …“ (Die mehrfach ausgezeichnete Cartoonistin Miriam Wurster)

Süddeutsche Zeitung, 3.12.: „Mitten in der Wirtschaftskrise ruft die Arbeitsministerin Bärbel Bas den Klassenkampf aus. Sie hat offenbar nicht begriffen, wie ernst es um den Standort Deutschland steht. (Kerstin Bund)

Süddeutsche Zeitung, 3.12.: Die Beatles sagten aus gutem Grund: „Yeah, Yeah, Yeah“. Der Satz der japanischen Premierministerin wurde von einer japanischen Jury zum Slogan des Jahres 2025 gewählt: „Arbeiten, arbeiten, arbeiten, arbeiten und arbeiten.“ „Ist so eine fünfmalige Wiederholung nicht völlig übertrieben“, fragt Martin Zips. „Manche arbeiten mal so, mal so. Gerade wie sie so Lust haben. Und was verdienen sie? Millionen, Millionen, Millionen, Millionen, Millionen.“